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8. Mai - ein Tag des Gedenkens

Bürgermeister Dimitrios Axourgos spricht über den 8. Mai nicht nur als Tag des Gedenkens, sondern mahnt auch zu einer kritischen Analyse der Gegenwart.

Bürgermeister Dimitrios Axourgos.
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Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser wichtige Satz steht ganz am Anfang unserer Verfassung. Aber es ist noch gar nicht so lange her, da wurde die Würde des Menschen angetastet. Sie wurde geleugnet und mit Füßen getreten, wurde mit zweifelhaften staatlichen Mitteln wie Erniedrigung, Verfolgung, Folter und Mord in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft schwer verletzt. Es gab sie damals gar nicht, die Würde des Menschen - bis zum 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung. Diese zwölf schrecklichsten Jahre deutscher Geschichte dürfen wir niemals vergessen.

Somit ist die Erinnerung an die Bilder unvorstellbarer Grausamkeiten, an die Erzählungen der Zeitzeugen unser Mittel der Wahl, die Vergangenheit aufzuarbeiten und neuen Anfängen zu wehren. Der 8. Mai 1945 ist nicht nur der Tag der Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus, jeder folgende 8. Mai nicht nur ein Tag des Gedenkens und der eindringlichen Mahnung, sondern auch ein Tag, der Anlass geben sollte, gegenwärtige Entwicklungen kritisch zu analysieren und auf eine Zukunft hinzuarbeiten, die frei von Kriegen, Machtgier und Unterdrückung ist und in der gilt: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Damals jedoch ergossen sich Hohn, Spott, Ignoranz und Gewalt über die Würde der Menschen. Wie erschrocken und fassungslos müssen alliierte Soldaten über das Unrecht und die Barbarei gewesen sein, als sie schon im April 1945 die Konzentrationslager Bergen-Belsen, Sachsenhausen, Ravenbrück, Flossenbürg oder Dachau befreiten. Vergast, gefoltert, erniedrigt – die Menschen dort und in anderen Lagern haben viel aushalten müssen, haben erleben müssen, wohin menschenfeindliche, intolerante, ausgrenzende und hasserfüllte Ideologien führen, haben miterleben müssen, wie ihre Lieben grausam ermordet wurden.

Der 8. Mai 1945 war deshalb ein guter Tag für Deutschland und die Menschen in Europa. Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte, unterzeichnet von Generaloberst Alfred Jodl, bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs. 60 Millionen Menschen fanden den Tod, allein sechs Millionen Juden wurden ermordet. Der militärische Zusammenbruch Deutschlands bedeutete das Ende eines einzigartigen geistigen und moralischen Verfalls. Wenn auch Unrecht und Tyrannei mit der Unterwerfung des nationalsozialistischen Systems ein dauerhaftes Ende gefunden hätten, dann hätten die Menschen in aller Welt am 8. Mai einen Grund zum Feiern. So aber ist der 8. Mai ein Tag des Gedenkens geworden, weil es immer noch Prozesse gibt, die institutionalisierte Barbarei und die Entmenschlichung zulassen.

Der 8. Mai ist somit ein Tag der Mahnung, nicht wegzuschauen und das Unrecht nicht minder zu bewerten als das Unrecht, das einem selbst widerfährt. Nicht nur hier in Deutschland, aber eben auch hier formieren sich Bewegungen, die sich eins machen mit alltäglicher Hetze und verwerflichen Ideologien, die Verderben bringende Zeiten leugnen oder nichts Verwerfliches an ihnen finden. Sie nehmen sich das Recht heraus, andere zu kategorisieren, sie auszusortieren und abzuwerten, ihnen ihre Würde zu nehmen. Aber es ist gerade die, die unantastbar ist!

Der 8. Mai ist auch ein Anlass daran zu erinnern, dass es unsere gemeinsame Aufgabe ist, den Einfluss menschenfeindlicher Ideologien einzudämmen, und zwar im Miteinander mit Nachbar*innen, Kolleg*innen und Mitbürger*innen. Fremdenfeindlichkeit, Angst und Sorge vor dem Unbekannten oder sogar Hass auf Andersartigkeit sind Dinge, denen jeder einzelne in jedem Gespräch entgegenwirken kann. Deshalb ist der 8. Mai als Tag der Erinnerung so wichtig. „Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Erinnerns wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit“, hat der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizäcker 1985 gesagt. Das ist nichts anderes, als ein Mahnmal des Denkens und Fühlens in unserem eigenen Inneren.

Wir erinnern uns in diesen Tagen in Trauer aller Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft und gedenken aller, die für uns ihr Leben ließen. Wir Deutsche schulden den Opfern des Krieges nicht nur unser ehrendes Gedenken – sondern auch, dass wir Lehren ziehen aus ihrem Leid.

Dimitrios Axourgos

Bürgermeister Stadt Schwerte