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St.Viktor-Kirche

Ein Beitrag von Pfarrer Fritz-Günther Held

 

Sehr unterschiedliche Legenden zur St. Viktor-Figur lassen sich zusammentragen. Um den Schwerter St. Viktor recht einordnen zu können, ist die Geschichte der Kirche und der Blick auf Fresken und Altar hilfreich.

 

Die Gründung der Kirche erfolgte nach der Schenkung des Hofs Schwerte 1032 durch die Cappenberger Matrone Reinmod an das Viktor-Stift zu Xanten. Xanten ist der Begräbnisort des Glaubenszeugen St. Viktor und seiner Gefährten (ad sanctos = bei den Heiligen). So wurde die früheste Kirchbaustufe 1050 als Tochterkirche der Stiftskirche zu Xanten errichtet. Entsprechend lag auch das Besetzungsrecht lange beim Propst von Xanten.

 

Das Bild des Schwerter St. Viktor ist bestimmt durch seine Darstellung auf den Altartafeln des Goldenen Antwerpener Schnitzaltars von 1523 und das Umfeld dieses Altars im vor 500 Jahren gegründeten hochgotischen Chorraum der Kirche.

 

1508 wurde am 4. April, dem Ambrosiustag, der Grundstein des Chorbaus an der St. Viktorkirche gelegt. Ganz schwach ist die inzwischen durch den Förderverein St. Viktor geschützte Inschrift noch sichtbar: ANNO 1508 - OP SUNTE AMBROSIUS DACH – WARD DIT ANGELAGT.

 

Sehr bewusst wurden früher die Termine ausgesucht; Ambrosius lebte in Mailand im 4. Jahrhundert – eben dem Jahrhundert, in dem St. Viktor aus Afrika nach Europa kam und nach Darstellung der Schwerter Altartafeln dem römischen Kaiser die Ehrenbezeugung vor dem Goldenen Staatsgott und den Kriegsdienst verweigerte. Kirchenvater Ambrosius war bekannt und geachtet als ältester abendländischer Kirchenlehrer und Begründer des Kirchengesangs. Er taufte Augustinus und war wie St. Viktor unbeugsam gegenüber der Staatsgewalt. Sein klares Wort gegenüber menschlicher Autorität und Führerschaft mit göttlichem Anspruch lautete: "Der Kaiser steht innerhalb der Kirche, nicht über ihr." Einer der Schlusssteine des Chorbaus ist mit dem St. Viktor geziert, Siegesfahne und Friedenspalme mit Lebenswasser an seiner Seite.

 

Der Altarschrein wurde speziell für den St. Viktor-Chorraum gefertigt in der Lukasgilde des der Obrigkeits- und Kirchenkritik jener Zeit zugänglichen und mit der Reformation sympathisierenden Adrian van Overbeck in Antwerpen. Er integrierte aus dem Vorgängeraltar die Alabasterfiguren von Jesus Christus mit den Aposteln als theologische Basis mit einer zusätzlichen Predella in den Altar aus Eichenholz, der dadurch den goldenen Altar in Dortmund noch an Höhe übertrifft.

 

Als Großfiguren stehen sich gegenüber Johannes der Täufer mit seiner Botschaft an die Soldaten: „Tut niemandem Gewalt an, fügt niemandem Unrecht zu, lebt von eurem Sold“ und St. Viktor, der Kriegsdienstverweigerer; beide sind aus der Mitte heraus „verrückt“.

 

In der Friedensdekade und Adventszeit ist der Doppelflügel-Altar nur einmal geöffnet und mit einem Flügelbereich rechts und links versehen. Rechts ist auf den Bildtafeln die Täuferpredigt abgebildet und um eine zusätzliche Tafel mit der Aufforderung zum Gewaltverzicht an die Soldaten erweitert.

 

Links widmet sich der Altar ausführlich dem Heiligen Viktor. Links oben außen verspricht Viktor dem Bischof in Rom, dass er "Gott mehr gehorchen" will als den Menschen und sich nicht vom Kaiser missbrauchen lassen will zur Tötung von Unschuldigen. Links mitte außen verweigert Viktor vor dem römischen Kaiser mit dem goldenen Staatsgott das Opfer und behält seinen Hut mit Federbusch auf. Links unten außen verweigert Viktor im Feldlager am Niederrhein den vom Boten überbrachten Befehl des Kaisers zum Kriegsdienst.

 

Links innen ist dargestellt, wie der römische Kaiser daraufhin das erste Drittel der thebaischen Legion, das zweite Drittel der thebaischen Legion und schließlich das letzte Drittel mit Viktor an der Spitze niedermachen lässt. Die Seitenflügelbildtafel oben links zeigt dann die Verehrung der St. Viktor-Reliquien. Auf der Predella-Bildtafel ist das Leid durch Kriegsdienst und die Verfolgung von Christen zu sehen.

 

Im Altartisch (Mensa) findet sich eine Reliquie, die an St. Viktor und Gefährten erinnern soll: Ein Zungenbein und Stoffreste im mittelalterlichen Bleikasten. Solche Reliquien wurden zur Ausstattung von Kirchen um 1000 im Xantener Bereich geborgen.

 

In Hinblick auf das vereinzelt im alten Kirchensiegel auftauchende Mühlensymbol ist zu verweisen an die Fresken im Zugangsbogen zum Chorraum der St. Viktorkirche. Auch bei der Mariendarstellung im Strahlenkranz findet sich das Mühlensymbol; es nimmt das Hohensyburger Wasserrad auf.

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Antwerpener Schnitzaltar

Antwerpener Schnitzaltar

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