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Schicksale in Schwerte: Familie Weinberg

von Alfred Hintz

 

Um den nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen gegen die Juden zu entgegen, emigierte Amely Weinberg, geb. Cohen, mit ihrem Ehemann Siegfried Heinz Weinberg (36) am 1. Juni 1937 in das niederländische Städtchen Alphen aan den Rijn. Ebenso verließen ihre Eltern Siegmund (68) und die in Maastricht geborene Olga (57) Cohen Schwerte und suchten in den Niederlanden Zuflucht.

 

Aufgrund der Verordnung des Generalkommissars für das Sicherheitswesen über die Kennzeichnung der Juden waren sie ab dem 2. Mai 1942 auch in dem von den Deutschen besetzten Holland gezwungen, den Judenstern zu tragen. Das Ehepaar Cohen wurde verhaftet und am 4. Mai 1942 von dem Lager Westerbork (bei Arnheim), in dem sie interniert waren, in das KZ Sobibor deportiert. Seit diesem Zeitpunkt gelten die Eltern als verschollen. Sie wurden vom Amtsgericht Iserlohn am 4. 4. 1959 für tot erklärt.

 

Amely Weinberg wurde nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo am 30. September 1942 ebenfalls in das Konzentrationslager Westerbork eingeliefert. Von dort ging ihr Leidensweg über die Hölle des KZ Bergen-Belsen am 7. April 1945 weiter in Richtung Osten, wo sie die einmarschierenden Russen retteten. Ihr Mann Siegfried Heinz Weinberg wurde aus rassischen Gründen am gleichen Tag festgenommen wie seine Frau, da er jedoch krank war, auf Anordnung der Sicherheitspolizei in das jüdische Krankenhaus in Rotterdam eingewiesen. Am 27. Februar 1943 wurde er in das KZ Westerbork überführt, von dort am 1. Februar 1944 in das KZ Bergen-Belsen deportiert, am 13. April 1945 nach Tröbnitz (Niederlausitz) verbracht, wo er am 23. April von Angehörigen der Roten Armee befreit wurde. Nur kurze Zeit nach seiner Befreiung starb er am 7. Mai 1945 an den Folgen der Haft (Flecktyphus).

 

Die am 4. September 1909 in Burgsteinfurt geborene Amely Weinberg hatte ihren letzten inländischen Wohnsitz in Schwerte. In Alphen wohnte sie in der Havenstraat 10. Der Sohn des Ehepaars Weinberg, der am 30. August 1938 geborene John Fred Weinberg, starb bei einem Verkehrsunfall.

 

Siegfried Weinberg betrieb gemeinsam mit seinem Onkel Louis eine ertragreiche Mühle – etwa im Bereich der heutigen Dresdner Bank. An dieser Mühle, ein größerer Betrieb, war Siegfried Weinberg zur Hälfte beteiligt. (Nach dem Krieg, im Jahre 1958, erzielte der Schwerter Mühlenbetrieb Umsätze zwischen zwei bis drei Millionen DM.)

Die zuvor guten Einkünfte der jüdischen Mühlenbesitzer gingen unter dem Druck der Nationalsozialisten immer mehr zurück. 1936 mußte der Betrieb an einen Schwerter Kaufmann verpachtet werden, die Weinbergs emigrierten.

 

Gerhard Weinberg, geb. an 22. 4. 1919 in Schwerte, besuchte von 1929 bis Ostern 1934 das damalige Schwerter Realgymnasium, mußte es aber, weil er Jude war, im März 1934 verlassen. Anschließend wechselte er, um die „Mittlere Reife“ zu machen, auf das Schweizer Institut Monnier, dann auf eine Technische Hochschule im sächsischen Mittenweida, von der er nach zwei Semestern aus rassischen Gründen relegiert wurde. 1937 wanderte er nach Israel aus, änderte seinen Namen Gerhard Weinberg in Gad Hakeren. Gad Hakeren holte seine in Deutschland verhinderte Ausbildung später in vollem Umfang durch ein Studium an der Columbia University in New York nach. Sein letzter Wohnsitz war 1451 – 42 Street, Brocklyn N.Y.

Über das Schicksal des Onkels Louis Weinberg ist nichts bekannt. Die Unterlagen fehlen.

 

 

 

 

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