von Alfred Hintz
Hermann und Emilie Sternheim waren 69 bzw. 60 Jahre alt, als sie 1942 von der Gestapo Dortmund deportiert wurden. Hermann Sternheim war Viehhändler und wohnte mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen Richard und Gerd an der Bahnhofstraße 8.
Emilie Sternheim, geb. Weinberg, kam zunächst in das KZ Sachsenhausen. Später, so der Ermittlungsbericht des OKD Iserlohn, „ist sie dann in einem Vernichtungslager ums Leben gekommen.“ Sie wurde mit Wirkung vom 8.5. 1945 für tot erklärt. Hermann Sternheim wurde in das KZ Theresienstadt eingeliefert. Seitdem fehlt jede Spur von ihm. Auch er wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Schwerte für tot erklärt.
Der Sohn Richard Sternheim wurde 1912 in Schwerte geboren. Er besuchte bis 1930 die Volksschule, anschließend das Realgymnasium in Schwerte. Im Jahre 1934 wurde er, weil er Jude war, gezwungen, die Schwerter Schule zu verlassen, ging bis 1935 zur Handelsschule in Dortmund und begann eine dreijährige Lehre bei der Firma Nathan und Gompertz in Emmerich. Im April 1936 wurde diese Firma „arisiert“ und Richard, weil er der jüdischen Gemeinschaft angehörte, entlassen. Der junge Mann versuchte daraufhin sein Glück als Landwirt in der Nähe von Breslau und wanderte dann 1938 in die USA aus. Dort war er zunächst als Küchenhelfer, später als Koch tätig.
Sein Bruder Gerd (geb. 1915 in Schwerte) emigrierte ebenfalls in die USA. Beide Brüder wohnten in New York. Gerd nannte sich in den Staaten Gerald. Beide Brüder nahmen 1944 die amerikanische Staatsangehörigkeit an.
Am 28. April 1938 wurde von der NS-Regierung die Registrierung aller jüdischen Vermögenswerte durch die Oberfinanzdirektionen verfügt. Die „Entjudung“ der Wirtschaft hatte damit eingesetzt. Weitere Forderungen des gewerblichen Mittelstandes wurden durch die Änderung der Gewerbeordnung erfüllt, lästige jüdische Konkurrenz ausgeschaltet. Viehhändler, Hausierer, Schausteller erhielten Berufsverbot.