von Alfred Hintz
Unter „Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen“ informiert das Internet auch über Hans Rudolph Rodenberg. „Schauspieler, Regisseur, Intendant“, heißt es dort über ihn, der in Schwerte die jüdische Schule, dann für einige Jahre das Gymnasium besuchte und es später bis zum Leiter der DEFA-Studios für Spielfilme, Professor für Dramaturgie an der Hochschule für Filmkunst sowie stellv. Minister für Kultur der früheren DDR brachte.
Hans Rosenberg (als Künstler änderte er seinen Namen in Rodenberg) wurde am 2. Oktober 1895 in Lübbecke geboren. Nach dem Tode seiner Mutter zog er mit seinem Vater Nathan Rosenberg etwa 1902 nach Schwerte. Dort kamen auch seine Halbbrüder Ewald (1902) und Karl (1906) zur Welt, Nathan Rosenbergs Söhne aus zweiter Ehe mit Hedwig Rosenberg, geb. Frankenstein.
In „Protokoll eines Lebens“, einem seiner Bücher, schildert Rodenberg im ersten Kapitel unter der Überschrift „Lübbecke – Schwerte – Berlin“ in einer kurzen Passage seine Zeit in Schwerte, den Schulbesuch mit grüner Schülermütze, Silberstreifen und schwarzem Lackschild. Er skizziert Lehrer, die er mochte und einen, der mit seiner Zinnsoldatensammlung die Schlachten der preußischen Kriege nachstellte.
Als Nathan Rosenberg starb, ging seine Witwe Hedwig mit den drei Söhnen nach Berlin. Hans Rudolph Rodenberg besuchte dort von 1912 bis 1914 die Schauspielschule des Deutschen Theaters und war nach dem Ersten Weltkrieg als Schauspieler und Regisseur in Hamburg, Wien, Zürich, Köln und Berlin tätig. 1922/23 wurde er Mitglied der „Stegreifbühne“ von Jakob Levy Moreno im 1. Wiener Bezirk mit Peter Lorre und Georg Kulka, 1927 trat er der KPD bei und ging 1932 im Auftrage des Zentralkomitees der KPD in die UdSSR, wo er das Dritte Reich überlebte. Er war bis 1935 stellv. Direktor eines Filmstudios in Moskau, wurde dann Sprecher, Regisseur und Autor beim Moskauer Rundfunk. Drei Jahre nach Kriegsende kehrte er nach Deutschland zurück. Er starb am 7. März 1978 in Berlin.
Hedwig Rosenberg, die Stiefmutter von Hans Rudolf Rodenberg, wurde im Alter von 73 Jahren mit dem 63. Altentransport 1943 von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte.
Ihr älterer Sohn Ewald wurde am 18.5.1942, nach dem Anschlag der Widerstandsgruppe Herbert Baum auf die Propaganda-Ausstellung „Das Sowjetparadies“ zusammen mit etwa 400 Berliner Juden auf Anweisung von Reichspropagandaminister Dr. Josef Goebbels inhaftiert und nach Sachsenhausen verschleppt. Nach dem Attentat auf Heydrich (27.5.1942) wurden als Vergeltung in Sachsenhausen am 28.5.1942 insgesamt 150 Juden erschossen, unter ihnen Ewald Rosenberg. Ewalds Frau Gretel starb in Auschwitz.
Der zweite Halbbruder, Karl Rosenberg, wurde über andere Haftstationen nach Auschwitz deportiert und kam dort am 4.4.1943 um. Seine Ehefrau überlebte und starb nach dem Krieg in einem Londoner Altenheim.