von Hille Schulze-Zumhülsen
Sie lebte bei ihren Großeltern im Wannebachtal in Holzen. Ihre Mutter soll wie die Schwerterin Margret Schulte erzählt: "eine "Lebedame", der Schwerte und Holzen zu eng war und sich lieber in der Welt rumtrieb, gewesen sein". Sie kümmerte sich nicht um ihre Tochter, schickte ihr aber regelmäßig Geld. Über ihren Vater hat sie nicht gesprochen.
Ilse arbeitete im Meisterbüro der "Guten Hoffnungshütte" früher Firma Ludwig Möhling, eine Nietenfabrik. Ingo Hintze, der über den Ausländereinsatz auf der Guten-Hoffnungshütte promovierte, erzählt: "Die Gute-Hoffnungshütte Schwerte war eine Unterabteilung der Gute-Hoffhungshütte Oberhausen. Vordringliche Aufträge waren Rüstungsaufträge. Wenn auch die Abteilung Schwerte im Gesamtuntemehmen GHN mit insgesamt 173 Beschäftigten am Geschäftsjahresende 1941/42 keine große Rolle spielte, konnte doch in Schwerte eine Erhöhung der Erzeugungszahlen nur aufgrund des Einsatzes von Fremdarbeitern Gewinne fahren."
Am Geschäftsende 1942/43 waren 50 Ostarbeiterinnen, 43 Ostarbeiter sowie 7 weitere Ausländer bei der Abteilung Schwerte beschäftigt. Einer dieser 7 Ausländer war ein junger Franzose. Der sah im Büro vom Meister Prinz eine junge Schreibkraft und schrieb ihr Briefchen.
Ich kannte eine Halbjüdin
"Ich kannte eine Halbjüdin, Ilse Renzing", erinnert sich Frau Schulte. "Sie war älter als ich, so um die 25 Jahre. Im Meisterbüro unter Meister Prinz war sie Schreibkraft. Ich war im technischen Büro angestellt und habe vieles mitbekommen. Wenn ich am Sonntag Telefondienst hatte, dann besuchte sie mich. Ich hatte ein gutes Verhältnis zu ihr und war so etwas wie ihre Vertraute. Sonntags hat sie sich manchmal mit einem jungen Franzosen im Ohl getroffen. Sie war ein anständiges Mädchen. Oft weinte sie, weil sie ständig in der Angst lebte, abgeholt zu werden. Nicht nur einmal sagte sie : Sollen Sie mal sehen, ich komm auch noch dran oder Das überleb ich nicht!
Es muss im Jahr 1943 oder 1944 gewesen sein, als der Geschäftsfiihrer Ilses Spint aufgebrochen hat. Es wurden Briefchen gefunden. Der Geschäftsführer hat sofort Herrn Braun von der Kripo angerufen. Dann mussten wir raus.
Am nächsten Morgen habe ich erfahren, dass sie noch nachmittags abgeholt worden ist und sich in der gleichen Nacht in der Arrestzelle erhängt hat.
Ich war so fertig. Sie war so ein hübsches Mädchen und nur weil sie mit einem Franzosen befreundet war, wurde sie verhaftet oder lag es vielleicht daran, dass sie eine Halbjüdin war?"
Ilse Renzing hatte Recht. Sie hat nicht überlebt.
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Der Arbeitskreis Schwerter Frauengeschichte(n) möchte für Ilse Renzing einen Stolperstein finanzieren. Dazu werden das Geburtsdatum und die damalige Adresse von Ilse Renzing benötigt.
Bitte melden bei:
HilleSchulze-Zumhülsen
Tel.: 0 23 04/8 25 00
frauengeschichten(at)schwerte.de
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Hier hatte Ilse Renzing bis zu ihrer Verhaftung gearbeitet.