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Schicksale in Schwerte: Minna Sarah Marcus

von Alfred Hintz

 

Es war kalt in jenem Februar 1942, bitterkalt. Minna Marcus hatte einen barschen Brief von der Polizei erhalten. Darin wurde sie aufgefordert, ihr Haus an der Westhofener Bahnhofstraße innerhalb von einer Woche zu räumen.

 

Minna Marcus schrieb einen ergreifenden Brief an den damaligen stellv. Westhofener Bürgermeister. Sie sei alt und krank. „Jetzt in der Kälte soll ich das Häuschen räumen, das mir vor rund 30 Jahren zur Heimat geworden ist?“ Sie müsse bei dieser Gelegenheit immer wieder betonen, sie gehe nicht gern aus Deutschland weg, „aber ich bemühe mich, weil das Gesetz es verlangt.“

 

In ihrem letzten Brief vor ihrer Deportation schrieb sie zum Schluß: „Verlangen Sie von mir jedes Opfer. Ich will gerne arme, aber saubere Leute aufnehmen. Aber lassen Sie mich doch bitte wohnen, bis ich fort kann.“

Nach den Anweisungen der NS-Leitung war das jedoch nicht möglich, denn im ganzen Reich wurden die Juden in sog. "Judenhäuser" verlegt.

 

Nach Auszug aus dem Häuschen lebten Minna Markus sowie ihr Mann Alex bis zu ihrer Deportation bei ihrer Schwester, Johanna Neugarten, dem Schwager Max sowie Nichte Hildegart und der Familie G. in der Wohnung der Familie Neugarten an der Marktstraße in Westhofen. In Westhofen war offensichtlich die Wohnung oder das Haus der Neugartens ein "Judenhaus". Westhofen war damals noch selbständige Stadt und Amtsgemeinde. Die Juden aus Schwerte wurden am Ende der Liethstraße in einer Holzbaracke zusammengezogen.

 

Minna Marcus ist im „Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter dem Nationalsozialismus 1933 bis 1945“ als „verschollen“ gemeldet. Sehr wahrscheinlich starb sie in einem Konzentrationslager.

 

Ihr Lebensweg verlief wie der ungezählter junger Frauen der damaligen Zeit. Mit 14 Jahren kam Minna Markus, die am 21.2.1888 im hessischen Trendelburg geboren wurde, zu fremden Menschen „in Stellung“. Sie war Hausangestellte, genauer Dienstmädchen bei „Herrschaften“. Als sie 23 Jahre alt war, wechselte sie zu den jüdischen Geschwistern Stern nach Westhofen. Zwei Jahre lang pflegte sie in Westhofen das „Fräulein Stern“, das ihr bei ihrem Tod 1 000 Mark vererbte. Dafür zeichnete Minna Marcus während des Ersten Weltkriegs Kriegsanleihen. Minna Markus verlor ihr ganzes Kapital, da diese Anleihen nach dem Krieg ihren Wert verloren hatten. Geblieben war ihr das Häuschen der Sterns, das sie nach deren Tod geerbt hatte.

 

Vor ihrer Heirat mit dem Viehhändler Alex Marcus – der Handel wurde ihm später untersagt - hatte sie in einem Haus an der Bahnhofstraße in Westhofen einen Textilhandel betrieben. Ende der 30er Jahre wurde ihr der weitere Betrieb verboten.

 

Alex Marcus, geb. 5.7.1876, wurde ebenfalls Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und wird in den Akten des Bundesarchivs als „vermißt“ geführt. Minna Marcus' Schwester, Johanna Neugarten, ihr Schwager Max Neugarten (geb. 1891) sowie ihre Nichte Hildegard (geb. 1923), die bis 1937 die Westhofener Volksschule besuchte, wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

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Minna Markus

Minna Markus




Johanna und Max Neugarten

Johanna und Max Neugarten

Schwester und Schwager


Tochter Hildegart Neugarten

Johanna und Max Neugarten

Nichte vom Minna Markus





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