von Alfred Hintz
Als 1933 der 18monatige physische und psychische Terror der braunen Horden über die Ruhrstadt hereinbrach, waren die beiden jüdischen Schwestern Lina und Berta Liebreich bereits betagte Damen. Sie betrieben an der Schulstraße in der Nähe des Marktplatzes einen Manufakturhandel.
Die beiden Schwestern Liebreich waren ledig und stammten ursprünglich aus Hennen. Ihre zwei Brüder starben im „Großen Krieg“ an der Front den „Heldentod“ wie viele andere deutsche junge Männer jüdischen Glaubens, die damals an der Front einen überproportional hohen Blutzoll entrichteten.
Während des Ersten Weltkriegs zeichneten Berta und Lina Liebreich für 30 000 Goldmark Kriegsanleihen. Die Zeichnung der Kriegsanleihen durch die jüdischen Geschwister ist weniger als Kriegsbegeisterung zu werten als vielmehr unter dem Gesichtspunkt von Integration in die Gesellschaft der Mehrheitsbevölkerung und Patriotismus.
Lina Liebreich starb Mitte der 30er Jahre und wurde auf dem jüdischen Friedhof am Nordwall begraben. Und als sich einige Jahre nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten die Lage für die jüdischen Mitbürger/innen Schwertes bedrohlich zuspitzte, nutzten gute Freunde Berta Liebreichs ihre Kontakte zum Marienkrankenhaus und brachten die zwischenzeitlich schon gebrechlich gewordene alte Frau dort unter. Sie wurde dort sehr wahrscheinlich von den im späteren Pfarrhaus wohnenden Nonnen verborgen und starb während des Krieges eines natürlichen Todes.
Das Mutterhaus der Franziskanerinnen in Salzkotten bestätigt auf Anfrage, daß sich nach Angaben einer seinerzeit im Schwerter Krankenhaus beschäftigten Nonne einige Personen über einen längeren Zeitraum ebenfalls im Keller des Krankenhauses aufgehalten haben sollen.