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Schicksale in Schwerte:
Helene und Rebecca Kugelmann

von Alfred Hintz

 

Die 1888 in Korbach geborene Helene Mildenberg, geb. Kugelmann - genannt auch Friederike oder Rickchen - war alleinige Inhaberin des Schuhgeschäftes Kugelmann an der Hüsingstraße/Ecke Mährstraße (heute "Ernstings Family"). Ihre Schwester Rebecca stand ihr als Prokuristin des Unternehmens zur Seite.

Helene Mildenberg hatte nach ihrer Scheidung wieder den Namen Kugelmann angenommen.

 

Die beiden Schwestern Helene und Rebecca Kugelmann hatten ihre Vorbereitungen zur Emigration nach Argentinien bereits abgeschlossen, aber Helene floh dann aber entgegen den urspünglichen Plänen vor Kriegsbeginn nach Amsterdam. Sie starb in Auschwitz. Ihre Schwester Rebecca blieb aus nicht bekannten Gründen in Schwerte, wurde nach Theresienstadt deportiert und überlebte den braunen Terror.

 

Nach Angaben von Helenes Tochter Else Rosenfeldt, geb. Mildenberg-Kugelmann (Tel Aviv) wohnte die Schwerter Kauffrau unter menschenunwürdigen Umständen bei einem Bekannten in der Zuider Amstellaan 217. Unter dieser Adresse und mit der Unterschrift des Bekannten korrespondierte sie auch mit ihr über das Rote Kreuz. Der letzte Rote-Kreuz-Brief, den Else Rosenfeldt von ihrer Mutter aus Amsterdam erhielt, ist vom 3.4.1943 datiert.

 

Helene Kugelmann wurde, so das Informatie Bureau van het Nederlandsche Roode Kruiz, am 18.9.1943 in das Konzentrationslager Westerbork eingeliefert und am 21.9.1943 nach Auschwitz deportiert. „Obengenannte Person gilt als gestorben am 23. September 1943 in der Umgebung von Auschwitz“.

 

Die Schwester Rebecca Kugelmann (geb. 1878 in Korbach) wohnte an der Bahnhofstraße 8. Sie wurde am 28.7.1942 von der Schwerter Liethstraße nach Theresienstadt deportiert und kehrte nach der Befreiung durch die Alliierten in ihre Heimatstadt Schwerte zurück. Dort wohnte sie in einer möblierten Drei-Zimmer-Wohnung, die ihr Rudolf Steinschulte in seinem Haus zur Verfügung gestellt hatte.

 

Nach einem Schreiben des Einzelhandelsverbandes Südwestfalen lag der Umsatz des Schuhgeschäftes Kugelmann an der Hüsingstraße (Family) im Jahre 1933 bei rund 100 000 Reichmark, entwickelte sich allerdings aufgrund der Boykottmaßnahmen ab 1933 deutlich rückläufig. In der sog. „Kristallnacht“, später auch Pogromnacht genannt, am 9. November 1938, wurde das Geschäft, so der Ermittlungsbericht des Oberkreisdirektors Iserlohn, Amt für Wiedergutmachung, "total zerstört“. Die Stadtverwaltung Schwerte hatte durch Rückfragen bei ehemaligen Nachbarn festgestellt, die Schädigung habe durch Zerstörung und Plünderung bei etwa 70 bis 75 Prozent gelegen.

 

Steinschulte hatte nach der Pogromnacht auf entsprechende Aufforderung durch die Industrie- und Handelskammer Dortmund gemeinsam mit dem Inhaber des Schuhgeschäftes Viehoff den Restbestand des größtenteils demolierten Kugelmann-Warenlagers übernommen, später auch die Geschäftsräume. Denn: Nach der am 12. November 1938 ergangenen „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“, war den Juden ab 1. Januar 1939 u.a. der Betrieb von Einzelhandelsunternehmen untersagt. Der gegen Steinschulte laufende Antrag auf Wiedergutmachung wegen der Übernahme des Restlagers wurde von der Wiedergutmachungskammer am Landgericht Hagen durch Urteil vom 18. Oktober 1954 zurückgewiesen. Gegen die Firma Viehoff wurde ein Rückerstattungsbetrag von 250 DM festgesetzt.

 

Rebecca Kugelmann starb am 24. 9. 1950 in Essen-Werden. Die Schwestern Kugelmann hatten zwei Brüder, Max und Siegmund sowie eine Tochter bzw. Nichte, Else Rosenfeldt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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