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Schicksale in Schwerte: Alfred Alexander

von Alfred Hintz

 

Der Pianist der „Reichskrone“ hieß Alfred Alexander. Gemeinsam mit seiner Frau (Violine) begleitete er von 1918 bis 1927 die Stummfilme, die die Schwerter/innen damals in Scharen in das Lichtspieltheater „Zur Reichskrone“ (gegenüber der Post) zogen. Alexander war Jude und überlebte Verfolgung, Deportation und wahrscheinlichen Tod nur, weil er sich als „Mischling“ tarnte.

 

Der Pianist musizierte zunächst von 1908 bis 1914 als Ensemblemusiker im In- und Ausland. Nach seinem Ausscheiden als Musiker der „Reichskrone“ war er – mit Trio oder Quartett – wieder freiberuflich tätig, bekam aber schon 1931, mit dem Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung, Schwierigkeiten wegen seiner SPD-Mitgliedschaft und Tätigkeit als Gemeinderatsmitglied in Holzen. Im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand wurde er am 28. Februar 1933 verhaftet. Bis zum 12. 10. 1933 saß im Hagener Gerichtsgefängnis Hagen ein.

 

Zwei weitere Jahre, bis 1935, konnte er sein Geld als Musiker nur noch mit Mühe verdienen. Denn immer wieder machte ihm die national-sozialistische Reichsmusikkammer Schwierigkeiten, bis sie das endgültige Berufsverbot über ihn verhängte mit der Begründung, die Richtlinien zum Musizieren im Sinne der national-sozialistischen Staatsführung seien nicht gegeben. Damit waren ihm und seiner Frau die beruflichen Existenzgrundlagen entzogen. Seine Frau war gezwungen, eine Putzstelle bei einer jüdischen Firma zu übernehmen, denn wegen ihrer Ehe mit einem Juden wurde sie nicht in eine ihr angemessene Arbeit vermittelt. Alexander mußte sich und seine Familie mit Gelegenheitsarbeiten bei verschiedenen Hoch- und Tiefbaufirmen, ab 1938 als Arbeiter bei den Stahlwerken Brüninghaus in Westhofen, durchbringen.

 

In Westhofen arbeitete bis zum Juli 1944 , wurde am 22. August 1944 festgenommen und vorübergehend in das „wilde KZ“ Reh bei Hohenlimburg eingeliefert. Im Oktober des Jahres, am 13. 10. 1944 wurde er erneut verhaftet und in das Arbeitslager Hünefeld bei Fulda verbracht. Von dort konnte er am 28. März 1945 fliehen. Er war völlig mittellos, bis er von der Stadtverwaltung Schwerte am 1. Juni 1945 eine Anstellung als Angestellter erhielt.

 

Adolf Tondok, der Besitzer und Inhaber der Lichtspiele „Zur Reichskrone“ stellte ihm am 15. November 1927 folgendes Zeugnis aus: „Alfred Alexander war vom 1. Dezember 1918 bis heute in meinen Lichtspielen zur Reichskrone als Pianist und Leiter der Kapelle, zur Zeit vier Personen, zeitweise zwölf Personen, tätig. Herr Alexander war ein pünktlicher, gewissenhafter Musiker. Er hat in allen Jahren die Illustration der Bilder zu meiner und vor allem zur Zufriedenheit des Kino besuchenden Publikums ausgeführt, was sich durch seine langjährige Tätigkeit bei mir beweist. Ich kann daher Herrn Alexander meinen Kollegen aufs wärmste empfehlen. Der Austritt erfolgt auf eigenen Wunsch.“

 

Alfred Alexander wurde am 1. 10. 1889 in Kiel geboren, wohnte in Schwerte an der Bahnhofstraße 8 . Im Jahre 1956 starb er und wurde auf dem Dortmunder Hauptfriedhof zur letzten Ruhe gebettet.

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Alfred Alexander

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