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Die Lager-Auflösung

Der KZ-Außenposten im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Schwerte-Ost wurde nach Unterlagen der Gedenkstätte Buchenwald mit der Rückführung von 201 Gefangenen am 15. Januar 1945 aufgelöst. In einer Mitteilung der Abteilung III Schutzhaftlager Weimar-Buchenwald an die Politische Abteilung des KL Buchenwald vom 25. Januar 1945 über die Flucht von zehn Gefangenen aus Schwerte während des Rücktransports am 11. Dezember 1944 ist ebenfalls davon die Rede, das Kommando Schwerte sei zwischenzeitlich aufgelöst worden.

 

Über Zu- und Abnahme der Lagerstärke im Zeitraum von April 1944 bis Februar 1945 geben Stärkemeldung der Außenkommandos und Arbeitsstatistik ein gutes und umfassendes Bild. Am 9. April lag die Appellstärke in Schwerte bei 100 Mann, am 3. August bei 447, am 29. September bei 701, am 19. November bei 670, am 21. Januar 1945 bei acht Männern. Bei diesen acht Gefangenen handelte es sich, wie ein von der Gedenkstätte Buchenwald vorgenommener Vergleich der Häftlingsnummern ergab, um Flüchtige.

 

Im November verringert sich die Lagerbelegung, wie aus der Arbeitsstatistik hervorgeht, um etwa 100 Personen, um im Dezember des gleichen Jahres noch einmal um etwa 150 Personen und zweimal um jeweils gut 100 Menschen. Ende 1944 weist die Arbeitsstatistik für Schwerte noch eine Gesamtstärke von 174 Gefangenen aus.

 

Der Rücktransport der Gefangenen nach Buchenwald erfolgte teilweise in Güterzügen, teilweise aber auch möglicherweise zu Fuß in Trupps von rund 100 Mann. Ende Dezember wird in Buchenwald neben einigen Fluchten ein Zugang von 101 Leuten registriert, am 3. Januar 1945 ein weiterer mit 100 und Mitte Januar ein Zugang von 201 Leuten.

 

"Eines Tages mußten wir fort", beschreibt der frühere KZ-Häftling Leon van Oyenbrugge in der französischen Fassung seiner "Erinnerungen an Schwerte" die Lagerauflösung. Demgegenüber ist in der niederländischen Darstellung im gleichen Zusammenhang von "Evakuierung" die Rede. Und zwar "zu Fuß und für viele Tage". Es war ein kalter, strenger Winter. Der Schnee lag hoch. "Wir liefen Tag und Nacht." Und wenn es nicht schneite, regnete es. Auf ihrem Marsch lutschten die Männer Schnee, um den Durst zu stillen. "Diejenigen, die nicht folgen konnten, bekamen einen Genickschuß. Wir ließen die Toten hinter uns." Nach ungefähr acht Tagen erreichten sie das KZ Mauthausen, wo man einige Monate blieb. Am Ostersonntag, 1. April 1945, zogen sie weiter und ein oder zwei Tage später waren sie in Buchenwald, so der Bericht Oyenbrugges.

 

Demgegenüber weist Dr. Harry Stein, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald darauf hin, daß nach dem derzeitigen Kenntnisstand Rücktransporte von den einzelnen Außenlagern ins Stammlager üblicherweise mit der Eisenbahn vorgenommen worden seien. Das Eisenbahnnetz sei zu diesem Zeitpunkt noch relativ in Ordnung gewesen.

 

Im Frühjahr 1945 erzitterte Schwerte unter schweren Flächenbombardements der alliierten Luftstreitkräfte. Bei dem Bombenangriff am 11. April 1945 beschädigten 15 Sprengbomben die Schmiede, das Eisenlager, das Kesselhaus und eine Krananlage im RAW. Dabei wurden zehn Menschen getötet und 40 verletzt. Einen Tag später, am 12. April, wurde das Werk von den Amerikanern besetzt.

 

Der Krieg war zu Ende. Zwei Zeitzeugen, der Schwerter Journalist Hans Schneider und sein Bruder Günther, erinnern sich. An der Hörder Straße verließen die Bewohner die Keller, in denen sie seit langen Tagen und Nächten Schutz vor den Bomben gesucht hatten. Frauen, Alte und Kinder standen an der Straße und sahen eine Reihe ausgemergelter Gestalten stadteinwärts wanken. Unter ihnen einige Männer in gestreifter, um den Körper schlotternde Kleidung. "Was schaut ihr so, Kinder", rief einer dieser Männer den fassungslosen, mit offenen Mündern starrenden Kindern zu. "Ich bin ein weißer Neger".


Kontakt aufnehmen

 

Alfred Hintz

Tel.: 02304 18251

Mail: hintz.alfred@web.de

 

Weitere Hinweise zum Thema von Zeitzeugen oder anderen Interessierten sind jederzeit willkommen.

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