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SS "sauer" auf Schwerte-Ost

Die relativ guten Ausbruchsmöglichkeiten aufgrund unzureichender Bewachung, von der die illegale KPD-Organisation im Stammlager Buchenwald für den Außenposten Schwerte-Ost ausging, werden durch einen "Beschwerdebrief" der Kommandantur - Arbeitseinsatz - Buchenwald vom 6. September 1944 an das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt Oranienburg indirekt bestätigt.

 

In diesem Schreiben beklagt sich der Lagerkommandant, das Arbeitskommando Schwerte habe wiederholt Anlaß zu Beanstandungen gegeben und zwar im wesentlichen als Ergebnis unzureichender Bewachung. "Zumal", so wörtlich, "seitens des Werkes immer wieder versucht wird, neben den Häftlingen freie fremdländische Arbeiter im selben Arbeitsbereich einzusetzen. Bei etwa 700 Häftlingen seien bisher bereits 84 Posten für deren Bewachung erforderlich geworden. Und trotzdem sei es nicht zu verhindern, daß bei dieser Gelegenheit die Zivilarbeiter mit den Häftlingen in Berührung kämen. Von den ausländischen Arbeitern seien die Häftlinge wiederholt mit Kleidern und Ausweisen versehen worden, wodurch Fluchten begünstigt oder erst ermöglicht worden seien.

 

In dem Brief geht der Lagerkommandant ferner detailliert auf die Gegebenheiten der Halle und deren Bewachungsmöglichkeiten ein. In der 234 x 90 Meter großen Lokhalle blieben ihm keine SS-Männer für die Bewachung der Häftlinge übrig, weil die Posten vom Kommandoführer für die Kontrolle der Tore und Eingänge eingesetzt werden müßten. Darüber hinaus müßte die laufende Zufuhr von Reparaturlokomotiven bzw. der Abtransport reparierter Lokomotiven überwacht werden. Die Posten seien Tag und Nacht eingesetzt und hätten ferner mit der Kontrolle der Passanten und durchfahrender Fahrzeuge alle Hände voll zu tun. Durch die mit reparaturbedürftigen Lokomotiven vollgestellte Halle sei dem Bewachungspersonal auch noch die Sicht genommen.

 

Der Briefschreiber nutzt in diesem Zusammenhang die Gelegenheit zu einem Seitenhieb gegen die Führungskräfte des Ausbesserungswerkes: "Der Kommandoführer steht auf dem Standpunkt, daß die deutschen Meister und Vorarbeiter sich nicht genügend um die Häftlinge kümmern. Wiederholt ist es vorgekommen, daß diese Führungskräfte gegen die Häftlinge handgreiflich werden und dann angeben, sie seien von den Häftlingen angegriffen worden. Es ist festgestellt worden, daß der Postenführer im Innern einer Lok Häftlinge schlafend vorgefunden hat, während der deutsche Vorarbeiter an der Maschine arbeitete."

 

Das sind Feststellungen, die auf Spannungen zwischen SS und Vertretern des Werkes schließen lassen. Denn der Hinweis auf Handgreiflichkeiten der Vorarbeiter gegenüber den Häftlingen kann als Vorwurf der Kompetenzüberschreitung interpretiert werden: Das Schlagen von Gefangenen hatte sich die Gestapo vorbehalten.

 

Das Schreiben schließt: "Es ist zusätzlich von hier aus (Weimar, der Verf.) der Einsatz mehrerer deutscher Kapos und Vorarbeiter beabsichtigt, um dadurch die Kontrolle über die Arbeitsleistung schärfer zu handhaben. Der Kommandoführer ist von hier aus angewiesen, die Überwachung der Arbeitsleistung ständig vorzunehmen und auch die Posten entsprechend anzuweisen." Außerdem solle das Kommando mit Rücksicht auf den Einsatz in der Halle mit einigen Pistolen ausgerüstet werden.

 

Zusätzlich wolle man an das Reichsbahn-Ausbesserungswerk herantreten um zu erreichen, "daß die deutschen Führungskräfte sich mehr um die Arbeitsleistung der Häftlinge kümmern. Außerdem wird versucht, daß eine reinliche Trennung zwischen den Häftlingseinsatz und den ausländischen Arbeitern erreicht wird."

 

Unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft waren den Produktionsbetrieben bestimmte zu erfüllende Sollzahlen vorgegeben. Die schriftliche Bemerkung des Lagerkommandanten, seitens des Werkes werde bei nicht erreichtem Soll an Reparaturen die Schuld gerne auf den Häftlingseinsatz geschoben, geht inhaltlich parallel mit der Aussage der damaligen Werksleitung, man sei an einem Häftlingseinsatz aufgrund mangelnder fachlicher Qualifikationen der Häftlinge für die auszuführenden Arbeiten nicht unbedingt interessiert gewesen.

 

Thema einer Lagerbesichtigung im Sommer 1944, am 6. Juni, war die geplante Lagererweiterung. Teilnehmer der Besichtigung waren neben dem damaligen Werksleiter drei Vertreter höherer SS-Ränge sowie ein Oberbahnrat aus Elberfeld, dem Sitz der damaligen Reichsbahndirektion. Diese Tatsache könnte darauf schließen lassen, daß die Zuteilung der Gefangenen durch die Reichsbahndirektion zu verantworten war, wie der damals zuständige Werksleiter in einem Zeitungsinterview angegeben hatte.

 

Zur Erweiterung des Lagers bilanziert ein Aktenvermerk vom 8. Juni über den Besuch: "Unter Berücksichtigung der Sicherheitsmaßnahmen kann ein weiterer Einsatz von 110 Hftl. erfolgen, ohne daß mehr Posten benötigt werden."


Kontakt aufnehmen

 

Alfred Hintz

Tel.: 0 23 04/1 82 51

Mail: hintz.alfred@web.de

 

Weitere Hinweise zum Thema von Zeitzeugen oder anderen Interessierten sind jederzeit willkommen.

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