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Friedrich Kayser (1894-1945)

Friedrich Kayser, Namensgeber der Schwerter Schule, unterhielt enge Kontakte zum Kern der Männer des 20. Juli 1944. Das geht aus Aufzeichnungen eines politischen Freundes und Weggefährten hervor. Kayser ist nach dem Urteil von Historikern zu den „bedeutendsten Persönlichkeiten der demokratischen Linken der Weimarer Republik“ zu zählen.

Der „Hilfsschullehrer“ gehörte der Dortmunder pazifistischen Widerstandsgruppe um Wilhelm Gersdorff und Dr. Emil Figge an. Dieser Kreis aus sozialdemokratischen Intellektuellen, Pädagogen und Pazifisten hatte die Erfolgsaussichten eines Staatsstreichs erörtert und bereits 1943 ein Staatsprogramm für die Zeit nach dem Nationalsozialismus erarbeitet. Über die Putschpläne der Generäle war man relativ gut informiert. Gustav Kettel, wichtigster Kurier des Widerstandskreises, hielt sich ab Mai 1944 für den Staatsstreich bereit.

Kayser hatte gleich zu Beginn der Nazidiktatur wegen seines Engagements in der Deutschen Friedensgesellschaft seine Stelle als Schwerter Sonderschullehrer verloren. Sein Gesinnungsgenosse Kettel, den er durch die Dortmunder Gruppe kennengelernt hatte, betrieb ein florierendes Geschäft für Großkücheneinrichtungen. Kaysers berufliche Position als „Prokurist“ in Kettels Unternehmen ermöglichte dem Schwerter, relativ ungestört Kontakte zu verschiedenen Widerstandsgruppen aufzunehmen. Sein organisatorisches Geschick erwies sich hierfür als ausgesprochen vorteilhaft. Neben seinen Verbindungen den Männern des 20. Juli blieb er im Gespräch mit politischen Freunden und Weggefährten der von den Nationalsozialisten zerschlagenen Deutschen Friedensgesellschaft. Obwohl von der Gestapo offenbar ständig beschattet, konnte er dennoch politische Fäden zu katholischen Kulturpolitikern und Lehrern knüpfen. Er brachte sich auch ein als Kurier eines über die Niederlande abgewickelten risikoreichen Kurierdienstes für die Freiheitskämpfer des Spanischen Bürgerkriegs. Und er war da, wenn es galt, Verfolgte zu retten und Juden vor dem sicheren Tod zu bewahren.

 

Friedrich Kayser, 1894 als Sohn des Schuhmachers Anton Kayser in Wandhofen geboren, war von 1914 bis 1918 Soldat an der Ostfront. Durch seine Erlebnisse in den „Stahlgewittern“ des „Großen Krieges“ kehrte er als Pazifist und Kriegsgegner in die Heimat zurück, gründete die Schwerter Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft, wurde 1924 Vorstandsmitglied des Westdeutschen Landesverbandes der DFG und löste 1929 Fritz Küster als ersten Vorsitzenden des Landesverbandes ab. Mit und neben Fritz Küster prägte er die kämpferische pazifistische Politik der Friedensgesellschaft bis zu deren Auflösung 1933 durch die Nationalsozialisten. Fritz Küster resümiert, der Aufbau der Bewegung in Westdeutschland sei ohne Friedrich Kayser nicht denkbar gewesen.

In einer öffentlichen Versammlung im März 1928 bei Schwerte sprach Kayser über das Thema „Hakenkreuz und Stahlhelm sind Deutschlands Untergang“. Mit dieser Agitationsformel übernahmen die pazifistische Zeitung „Das Andere Deutschland“ sowie der Westdeutsche Landesverband der DFG bis 1933 die Führung im antifaschistischen Abwehrkampf. „Das Andere Deutschland“ war die politisch einflussreichste pazifistische Zeitschrift der Ersten Republik, Kayser und Küster die „beiden Säulen“ des in Hagen herausgegebenen Blattes. Ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift war Kurt Tucholsky.

Vom 30. Juni 1933 bis zum 25. August des Jahres war Friedrich Kayser im Polizeigefängnis im Rathaus Schwerte inhaftiert. Seine an starken Depressionen leidende Frau suchte mit den beiden kleinen Töchtern den Freitod. Am 12. März 1945 starb der Friedenskämpfer bei einem Bombenangriff auf Dortmund.

Sein Freund und politischer Weggefährte Hein Herbers schreibt 1946 in einem Beitrag für „Die Friedens-Warte“: „Was bleibt uns, den Zurückbleibenden? Das verpflichtende Vorbild eines unbeugsamen Streiters für eine bessere und glücklichere Menschheit.“

 

My Kayser, die Ehefrau Friedrichs, konnte es kaum verwinden, dass ihr Mann aus politischen Gründen seine Lehrerstelle verloren hatte. Während seiner „Schutzhaft“ verstärkten sich ihre ohnehin depressiven Stimmungen. Sie nahm ihre beiden kleinen Töchter, die zwölfjährige Inge und die neunjährige Mathilde, mit in den Freitod. Gleich am nächsten Morgen, als die Tragödie bekannt wurde, kümmerten sich Fritz Marquis, Walter Elksnat, Arnold Menzel und andere Freunde aus Schwerte um den völlig verzweifelten Friedrich Kayser.

 

Text von Alfred Hintz

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